Glattgebügelt

Mit der Mode gehen – perfekt aussehen – sich Gesellschaftskonform verhalten – nicht auffallen. Das alles sind nur einige Dinge die dafür sorgen, dass Menschen wie glatt gebügelt erscheinen.

Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel, der Uniformierung. Das alles wird auf den unterschiedlichsten, sozialen Medien zelebriert. Auf Instagram, da ist das Leben gefüllt mit den Dingen, die materielles Glück zeigen. Starbucks, Uhren, Gaming, Urlaubsbilder, Sport und dem besten Mittagessen der Welt. Bei Facebook sind alle ständig nur unterwegs mit Freunden, sind am Feiern und müssen jedem wörtlich mitteilen wie glücklich sie mit ihrem Partner sind – und wie lange schon. Auf Twitter sind die Leute ehrlicher, aber auch dort filtern sie selbst, je nachdem welchen Ruf ihr Account über die Zeit aufgebaut hat. Und dann ist da noch diese Sache mit dem „sich beleidigt fühlen“. Seit einigen Jahren im Trend und nicht mehr wegzudenken ist, dass sich jeder ständig wegen allem angegriffen fühlt. Kritik ist keine Kritik mehr, weder positiv noch negativ, sondern ist immer eine Art Angriff auf diejenige Person, die kritisiert wird.

Von der japanischen Gesellschaft sagt man, dass ein Mensch drei Gesichter habe. Das Äußere das jeder sieht, das Innere das nur die Familie und Freunde sehen und dann das, was man nur selbst sieht. Ich habe das Gefühl, dass sich die ganze Welt in diese Richtung bewegt. Menschen wollen „glatt“ sein, keine Ecken und Kanten haben, überall dazu passen und niemanden angreifen. Aber dadurch hält man sich auch mit der eigenen Meinung zurück und verschwindet in der Masse. All die Socialmediaprofile, die lassen Leute aussehen als bestünden sie nur aus den HochZeiten des Lebens –  was nicht stimmt. Weder Stars noch Werner Maier von der Straße, noch Chantal oder Kevin haben das.

Mein Gefühl ist es, das diese Veränderungen in der westlichen Welt auch auf eine Gesellschaft zusteuern, die sich selbst uniformiert. Gleich aussehen, gleich denken, gleich handeln. Nicht herausstechen. In Japan ist es schon so, auch wenn die Medien immer ein Bild vermitteln als wären hier alle bekloppte Freaks die in pinken Glitzerklamotten rumlaufen und komische Gesichtsverschönerungsplastikwerkzeuge benutzen, Höschen aus Automaten ziehen und zu Kyary Pamyu Pamyu auf der Straße caramelldancen während sie in TV Shows unter Tischen angeblich Blowjobs geben. So ist es nicht. Jeder scheint hier diese drei Gesichter zu haben, Ausländer sind so nicht nur unfreiwillige Rebellen weil sie anders aussehen, sondern weil die westliche Art noch etwas anders ist von derjenigen, die hier vorherrscht. Es ist uniformiert.

Ich schließe mich von der Socialmediauniformierung nicht aus, mit Katastrophenmeldungen generiere ich weniger Klicks und Likes, als mit Bildern von leckeren Schokowaffeln. Man passt sich an –  aber in meinem Fall nur Online. Die Leute, die diese Uniformierung in ihren Alltag integrieren und so tun als wäre dieses glattgebügelte und oberflächliche Leben das ihre, tun mir wirklich leid.

-GRUSEL OUT-

 

Willkommen in Konsumia!

Liebe Leser,

heute heiße ich euch in einem Land voller Wunder Willkommen. Konsumia! In Konsumia gibt es alles was ihr braucht – und natürlich vor allem auch das, was ihr nicht braucht. Ich möchte euch heute nur ein bisschen erzählen, was in diesem herrlich verbrauchsorientierten Land so los ist. Im folgenden ein Kommentar, was das Leben in diesem Land beschreibt: (Ich schweife jetzt leider vom anpreiserischen Smalltalk ab, seid gewarnt)

Ich habe ja schon erzählt, dass es hier in Japan zu eigentlich jedem Einkauf eine Tüte gibt. In der Stadt wo ich bin gibt es eine Shoppingstraße, und die ist sage und schreibe über einen Kilometer lang. Geschäfte links, Geschäfte rechts. Auf mindestens zwei Stockwerken auf jeder Seite. Unter der Straße kann weiter geshoppt werden, genauso wie in den Einkaufscentern, die in regelmäßigen Abständen links und rechts auftauchen – wiederum mit einer riesigen Anzahl an Läden im Innern. Wenn man sich dann also entscheidet eine kleine Einkaufstour einzulegen, ist man am Ende bestimmt mit vier oder fünf Tüten bestückt, in denen jeweils bestimmt nochmal zwei oder drei Innentüten stecken, je nachdem was man kauft. Stifte kriegen einen Extrabeutel, Schmuck, Hygieneartikel, Flaschen etc. auch. Was für eine Verschwendung, die leider mit dem Konsum einher geht.

Was mir am eindrücklichsten erschien, war die Zeit im Oktober. Den ganzen Monat lang wurde Halloween so hoch angepriesen, als sei es der höchste Feiertag der Welt und die Totengötter persönlich würden auf die Erde kommen. Einzig und allein mit dem Konsum von Fledermaustörtchen, Kürbispommes und Geistersocken zu besänftigen. Am 31. war also der Höhepunkt erreicht, und als ich am 1. November in der Stadt etwas besorgen wollte, traf mich der Schlag. Kaum aus dem Bus ausgestiegen sah ich statt Geistern Weihnachtsbäume, Jingle Bells und Stille Nacht dröhnten penetrant aus den Lautsprechern der Geschäfte und die Angestellten trugen Weihnachtsmützen. Mir ist klar, dass beide Gelegenheiten so stark wie möglich ausgeschlachtet werden sollen, aber zu welchem Preis?

Gewinnmaximierung durch das Erzeugen einer künstlichen Euphorie, die den Konsum anregen soll. Was soll man sagen? Es funktioniert. Die Menschen kaufen wie verrückt Süßigkeiten, Kleidung mit Weihnachtsmotiven und sowieso alles was mit Weihnachten zu tun hat. Dabei hat dieser Feiertag in Japan nicht mal Tradition. Christen gibts hier nämlich nicht ganz so viele, den Koreanern nehme ich den Hype dann schon eher ab.

Ich finde dieses Konsumverhalten ist noch intensiver und penetranter als in Deutschland. Da hier sowieso alles schon spricht und Musik macht, intensiviert sich diese Belästigung vor den Festtagen noch einmal enorm.

Menschen von Konsumia (in welchem ihr auch immer wohnen möget), erinnert euch dessen, was ihr wirklich braucht – und nicht dem was andere euch weismachen wollen, was es braucht um einen schönen Tag zu haben.

>traumhaft/unwirklich<

Guten Mittag alle zusammen! (Oder eher: Guten Morgen *reicht Kaffee*)

Heute gehts mir mal um Dinge, die einem irgendwie merkwürdig vorkommen. Zum Einen, weil man sie nicht erwartet. Zum anderen, weil sie irgendwie wirken, als wäre sie nicht echt. Oder weil sie passieren, obwohl sie eigentlich unmöglich sind.

Ich würde gerne in diesem Post mit den Vorkommnissen anfangen, die auf mich surreal gewirkt haben. Erstmal einige Worte gleicher Bedeutung zu surreal, damit wir wissen worüber wir sprechen.

Synonyme zu surreal
geheimnisvoll, rätselhaft, traumhaft, übernatürlich, unwirklich; 
(gehoben) wundersam; (bildungssprachlich) fantastisch, imaginär
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Blinde Katzen auf einem Friedhof

Das heutige Ereignis, was mich auch dazu bewogen hat diesen Artikel zu schreiben, war das Folgende: Ich befand mich auf dem Weg von der Universität nach Hause und kam an einem Friedhof vorbei. An sich nichts ungewöhnliches, und ich erwartete auch nichts besonderes. Doch als ich näher kam konnte ich zwei Katzen erspähen. Auch das an sich nichts ungewöhnliches. Doch wie sie dort saßen, sich nicht rührten und keine Notiz von mir nahmen, war ziemlich neu für mich. Erst als ich anfing ein bisschen auf die beiden einzureden, sah mich die Katze auf dem unteren Stein an, und blickte mir direkt ins Gesicht. Sie war blind (ich erkannte es direkt da eine unserer Katzen von früher genau die gleichen Augen besaß). Ich schaute mich um, aber kein anderer Mensch war da und auch kein Auto. Beide Katzen sahen zwar leicht gerupft, aber nicht sehr abgemagert oder jung aus (was von ein bisschen Erfahrung im Umgang mit der Blindheit zeugt). Tja, was gibt es mehr zu sagen; Ich ging nach einer Weile des Beobachtens Heim. Es beschäftigt mich weiterhin, denn im Nachhinein mischen sich Überraschung und das „Hängenbleiben“ zu einer diffusen, traumhaften Mischung. Zwei Katzen auf einem Grab sitzend, mindestens eine von ihnen sogar blind. Surreal.

Eine weitere kleine, unwirkliche Sache ist mir diese Woche im Bus passiert. Ich wollte aufstehen, um einer Frau Platz zum Aussteigen zu machen. Keine große Sache. Doch nachdem die Frau gesagt hatte „Nein, nein schon gut“ und ich das gleiche erwiderte, weil es mir keine Umstände machte, zog sie mich sanft aber bestimmt am Arm auf den Sitz zurück. In Japan. Eine Fremde. Zieht dich auf den Sitz neben sie. Das ist kein Problem des angefasst werdens, sondern alles was passiert ist in Verbindung mit dem kulturellen Kontext. . . Das war schon ziemlich ungewöhnlich, und ich bin mir nicht sicher ob mir das so noch einmal passieren wird. Auch deshalb ist auch das für mich im Nachhinein ziemlich verschwommen, und surreal.

Als letztes kommt das, was ich wirklich am eindrücklichsten, traumhaftesten und auch am rätselhaftesten fand. Es hätte auch ein Traum sein können, aber gelogen ist es nicht, denn es ist wirklich so passiert. Ich war mal wieder auf dem Weg zurück von der Universität und auf der Wiese neben unserem Haus, die ich immer überquere, saß ein junger Mann im Schatten an einen Baum gelehnt und las ein Buch. Auf der anderen Seite des Baumes, ebenfalls im Schatten, stand ein Katzenkorb mit einer Schnur an den Baum gebunden. Das Licht der Sonne fiel in schmalen Streifen durch die Blätter und erzeugte ein ganz besonderes Leuchten. So ungefähr wie in dem Foto da unten  (was ich frecherweise aus dem Internet gezogen habe). Als ich später wieder vorbeikam, war er weg. Keine Spur, dass er jemals dagewesen war. Niemanden aus dem Haus den ich fragte, hatte ihn gesehen. Somit bleibt der Fremde mit dem Buch und der Katze, der wohl anscheinend auf etwas gewartet hatte, für immer ein surreales Rätsel.

Sind euch auch schon solche traumhaften, surrealen Dinge passiert? Bitte teilt sie mit jemandem, wenn auch nicht hier. Denn so etwas unwirkliches sollte man nicht so einfach vergessen. Heute schließe ich mich einem Zitat des berrühmten Malers Salvador Dalí:

“Surrealism is destructive, but it destroys only what it considers to be shackles limiting our vision.”

 

 

Wenns rappelt und krächzt

Verehrte Leser,

Heute spreche ich mal über mein erstes Erdbeben-Erlebnis. In diesem Moment befand ich mich mit ein paar Freunden im Studienraum. Schlimm war es nicht wirklich, Stufe 3 und alles hat nur ein bisschen gewackelt. In Deutschland gibts ja keine Erdbeben, und so war das wirklich das aller erste Mal, dass die Erde unter meinen Füßen derart gewackelt hat. Nach vier, fünf Verschiebungen, vibrierenden Scheiben und durch die Gegend spritzendem Wasser war dann auch alles wieder vorbei. Bleibt die Frage: Was war daran jetzt eigentlich so schlimm?

Nun ja das was schlimm war, war der Moment zwischen der Warnung und dem Eintreffen des Bebens. Plötzlich gingen die Handyalarme an, und die Zeit stand still. Alles andere war in diesem Augenblick völlig egal und unwichtig. Manche von den Leuten um mich herum folgten den Instruktionen und gingen unter den Tisch, andere Taten es nicht. Schnell war auszuschließen, dass er höher als 3 war, weil meine Apps alle auf 4 oder höher eingestellt sind und mein Handy sich nicht gemeldet hatte. Nach dem Alarmton traf das Erdbeben nach ungefähr 5 bis 10 Sekunden ein, erreichte schnell seinen Höhepunkt und ebbte dann wieder ab. Währendessen redeten wir, vielleicht auch um uns ein bisschen zu beruhigen. Von Anderen, die nicht im Studienraum waren, habe ich verschiedene Reaktionen erfahren. Die Italiener sind direkt unter die Tische, sie kennen Erdbeben schon von Zuhause. Eine deutsche Kommilitonin, in einer anderen Universität, ging mit der gesamten Klasse unter die Tische. Bei uns an der Uni haben viele Leute in der Klasse einfach nur gesessen und gewartet. Ich habe nach dem Motto: „Safety First“ gehandelt und bin auch unter den Tisch gegangen. Sicher ist sicher.

Erdbeben.jpg

Der pinke Kreis: Ungefähr Kobe.

Aber um nochmal auf den Moment des Alarms zurück zu kommen: In diesem Fall war es bei uns in Kobe nur ein kleines Erdbeben –  Stufe 3. Doch was, wenn das Erdbeben einmal stärker ausfällt, oder auch eines der erwarteten Jahrhunderterdbeben wird? Ich glaube das ist fast wie mit Schrödingers Katze. Es könnte Menschen verletzen oder töten, oder es könnte auch einfach nur in dein Gesicht lachen, weil es dir einen Schrecken eingejagt hat. Eine Person mit einem Messer, die dir ins Gesicht sagt, dass sie dich vielleicht in 20 Sekunden töten wird. Oder auch nicht, wer kann das schon wissen. Klingt fast wie einer der manischen Bösewichte aus Batman. Wie der Joker schon so schön sagte:

Was dich nicht umbringt, macht dich nur komischer!

Kuriositäten #1

Werte Leser,

Ich heiße Sie in der Welt der Kuriositäten willkommen! Sehen Sie sich um und nehmen Sie mit, was gefällt. Was fange ich denn an Ihnen heute vorzustellen? Frei nach Mark Twain:

Wenn wir bedenken, daß wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.

Wie wäre es zunächst mit einer Prise Aberglaube für den Anfang. Können Sie sich denken, warum hier überall Wasserflaschen vor den Häusern stehen? Gefüllt? Es liegt auf der Hand, doch für Außenstehende ist es schwer zu begreifen, freilich. Dieses Wasser nämlich ist in der Lage lästige Plagegeister zu vertreiben. Welche? Natürlich Katzen. Wen denn sonst? Diese Wasserflaschen, jagen den Tieren unglaubliche Angst ein und hält sie von dem eigenen, geheiligten Grund und Boden fern. Und wo eine Flasche nicht reicht, da darf man gerne dutzende um das Haus herum reihen und sich sorglos zum Entspannen in die Wanne legen. So wurde es mir zumindest erzählt. Dieses Abwehrmittel gibt es zum Sonderpreis von nur knapp einem Euro pro Flasche. Fantastisch!

Weiter geht es mit Komfort. Deutsche wissen gar nicht mehr, was Komfort bedeutet. Zu jedem Einkauf sollte man neuerdings seine eigenen Taschen mitbringen, weil diese praktischen Einwegplastikbeutel jetzt extra kosten. . . Hier im Land der freundlichen Menschen müssen Sie das nicht mehr! Alles bekommen sie umsonst, fast soviele Tüten wie Sie wollen. Sie kaufen einen Croissant? Hier bitte, eine Plastiktüte. Sie kaufen einen Lippenstift? Hier bitte, eine Plastiktüte! Sie kaufen Lebensmittel UND Toilettenartikel? Am Besten wir machen eine Tüte in die Tüte und noch eine weitere Tüte darum herum (wenn nämlich neue Toilettenartikel mit Nahrungsmitteln in Berührung kommen, geschieht etwas unsagbar Schreckliches). Ein toller Nebeneffekt: Sie müssen nie wieder Müllsäcke kaufen.

Ist es Ihnen schon genug für heute? Keine Sorge, Sie können dieses Kabinett besuchen wann sie wollen, und mitnehmen was Ihnen gefällt.

Alle Preise ohne Steuern, versteht sich. Die entrichten Sie ja erst an der Kasse.

Endzeitstress

Werte Leser,

Ich bin im Endzeitstress. Nicht im Stress des Endes der Welt, sondern von meinem bisherigen Leben in Deutschland. Man könnte es auch als Anfangszeitstress betrachten, da ja etwas Neues beginnt. Hier fehlt ein Visum, da muss man eine Wohnung ausräumen, noch eine mündliche Prüfung absolvieren, sich impfen lassen und die eigene Abschiedsparty organisieren. Ich bin nur zehn Monate bis ein Jahr weg, also habe ich mich entschieden nur einen einzigen Koffer mitzunehmen. Was rein passt passt rein, und was nicht das nicht. Ich versuche eine ausgewogene Kleidungsmischung zu kreieren, aber der ein oder andere Pullover wird es nicht in den Koffer schaffen. Aber so ein Pullover ist auch in Übersee sicher gut zu bekommen. Oder Jacken. Bestimmt. Immerhin ist Japan ein Industrieland. Ich laufe immernoch durch die Läden und denke mir: Oh das würd ich jetzt gerne kaufen, doch dann fällt mir ein dass der Platz in meinem Koffer begrenzt ist und ich in Japan diesen Gegenstand sicher noch zukaufen kann. Nur meine neue Liebe für Ziegenkäse kann ich wohl nicht ins Ausland mitnehmen.

Wie schon mit dem Koffer will ich versuchen, mir in diesem Auslandsjahr so wenig wie möglich neu anzueignen und meine Wohnung frei zu halten von Dingen die nach dem Sinne der Minimalisten „belastend“ sein könnten.

Das nächste mal melde ich mich wohl von dort drüben. Die andere Seite und so. Und dann gibt es auch wieder ein Thema. Versprochen.

 

 

Wasn das? ~ Minimalismus!

Wasn das?

Das könnte man jetzt zweideutig verstehen. Einmal: Was ist das denn, was ich da gefunden habe? Seit wann besitze ich das? ~ Falls ihr euch das schon mal gefragt habt, über eine Sache die ihr in eurer Wohnung gefunden habt, werft es weg. Das wäre ein Schritt Richtung Minimalismus. Wenn ihr alles „richtig“ gemacht habt, steht am Ende Frage Zwei: Was ist denn das? Möbel gibts bei dir in der Bude nicht, oder? ~ Dann seid ihr Minimalist.

Ich bin auf diesen Zweig der Lebensphilosophie gestoßen indem ich mich gefragt habe, ob mich der ganze Besitz den ich habe überhaupt glücklich macht. Ob er das überhaupt kann. Das eine, bestimmte Teil, dass ich maximal einmal im Jahr anrühre. Kann mich das glücklich machen? Dann hab ich angefangen wie jeder ordentliche Humanoide heutzutage zu googlen. Erstaunlicherweise waren die Beiträge zu diesem Thema rar gesät, weshalb ich auf laienhafte YouTube Videos ausgewichen bin. Schon besser in den Ergebnissen. Immerhin geht es hier nicht nur um das bloße Ausmisten von 100 Sachen im Monat, sondern im Extremfall um die Reduktion des Hab und Guts auf 100 Dinge.

Nein, soweit möchte ich nicht gehen. Nahezu keine Möbel zu besitzen und maximal 100 Dinge, zwei Unterhöschen, ein Universalshampoo und ein Löffel. Nein, Noe, Niet. Das ist glaube ich nicht für jeden etwas, und ich denke das heißt es auch gar nicht Minimalist zu sein. Ich habe das Gefühl das ist eine Bewegung, die versucht weniger zu konsumieren. In vielen Lebensbereichen. Im Zen Buddhismus gibt es auch minimalistische Strömungen und es scheint eine der Weisheiten zu sein. Sich auf das Wichtige besinnen. Nicht nur in den Habseligkeiten.

Wie fange ich das an? Das mit dem reduzieren und so? Da ich bald den Eisenvogel nehme, muss ich mich schon auf das Nötigste beschränken. Kann man das schaffen, das ganze Leben in einen Koffer zu packen wenn man kein außergewöhnlicher Horter war? Bestimmt. Abstriche werde ich schon machen müssen, kann ja schließlich nicht mein ganzes Bücherregal mitnehmen. Technik (E-Books, Laptops, Cloud Anwendungen) sind der Freund des Minimalisten; Und auch von mir. Dinge die früher Platz weggenommen hätten können heute digital gespeichert werden und nehmen einen Platz weg, der irgendwo ist, nur nicht Zuhause in den eigenen vier Wänden. Es geht ja darum sich selbst zu minimieren. Öko? Vielleicht.

Ich werde es versuchen. Mich zu verringern. Dinglich gesehen. Und mal schauen was in meinen Koffer kommt. Oder ob ich nur mit Handgepäck reisen werde? ~Nein, Noe, Niet.

So einfach gehts dann doch nicht. Zumindest für mich nicht. Für dich?

さようなら!

Eine erwartete Reise

Heute mal: Konnichi ha!

Es wird eine Zeit kommen, da wird meine Reise beginnen. Und diese Zeit rückt unaufhaltsam näher. Mein Opener war eben besser als ich noch darüber nachgedacht habe, aber kaum als ich schreiben wollte war er schon wieder vergessen. Ganz ähnlich geht es mir wenn ich daran denke, dass ich bald in einem Eisenvogel Richtung Sonne sitze. An alles Mögliche muss man denken, sich hier und da versichern, Anträge abschicken und zwischendrinne noch Beileidskarten an all die Familien der Verstorbenen diesen Jahres versenden. Ich hätte nie gedacht, dass es so aufwendig ist die Vorbereitungen für ein paar viele Monate im Ausland zu machen. Mir fehlt noch ein Koffer (einen habe ich bereits) und mein Haar hat immernoch nicht die Länge, als dass ich mich wieder als echte Person in der Öffentlichkeit zeigen könnte. Andere Leute scheinen sich weniger damit zu beschäftigen. Oder auch mehr als ich. „Was soll ich ohne dich machen?“ „Was ist wenn in dem Jahr etwas ist?“ – Ich weiß es nicht. Auf alles habe ich immer eine Antwort, aber ich kann leider niemandem sagen wie er oder ich die Distanzen überwinden sollen oder unser Schicksal beeinflussen können. Damit zumindest während meinem Auslandsjahr keiner das Zeitliche segnet oder andere Dinge passieren die keiner Will. Aber ich denke so ist das, mit Reisen. Vor allem mit den Langen. Das Unbekannte kommt näher. Das Vertraute rückt weiter weg. Abenteuer kommen nahe. Ihr kennt das, aus Märchen. Die Helden brechen auf in eine ungewisse Reise, nur um am Ende gestärkt hervorzutreten. Ich glaube ich kenne kein Märchen, wo die Hauptperson nicht zurückgekehrt ist. Wären sie im Bett geblieben hätten sie die Möglichkeit nicht bekommen. Bilbo, Joringel, die Klone aus Die Insel. Ich könnte jetzt auch 1000 Zitate hier rein schreiben warum das alles ganz toll ist mit dem Reisen. Aber manchmal da packts einen und man würde doch lieber die Koffer wieder von der Flughafenwaage nehmen und einfach ins eigene Heim fahren.

Im Grunde ist Reisen doch eigentlich nur das hier:

Reisen ist oft nichts anderes, als die Flucht vor sich selbst. Aber das Ich holt dich immer ein. – Otto von Leixner

~ Und damit gebe ich zurück an unsere Deutschlandkorrespondentin ins Studio nach Berlin

Menschbeteiligung

Guten Abend Leserschaft,

Ich würde ja einmal im Leben gerne über witzige Sachen schreiben, aber heute muss ich mal meinen Frust an euch auslassen. Wieso? Weil mir auf allen Eben des Lebens begegnet, was viele immer beklagen aber nicht ändern: Passivität. Passivität in nahezu allem. Ich fange mal bei 1 an. 1 Ist das, was in der Uni passiert. Ich bin im Rat, der für mein Studienfach von Studenten für Studenten Partys, Ansprechpartner etc. organisiert. Zuerst waren alle nur passiv, so wenig arbeit wie möglich übernehmen. Dann sind die alten Hasen ausgetreten, jetzt treten nahezu alle aus. Was bleibt? Ein kleiner Kern der wahrscheinlich nicht weitermachen kann, weil 6 Mitglieder von der Studentenschaft gewählt werden müssen, aber nur zwei die sich aufstellen. Ergo: Dieses Gebilde wird sich auflösen. Was fehlt? Alles oben genannte und wahrscheinlich noch viel mehr. Aber: Das wollen die Studenten natürlich nicht, denn wenn es irgendwo „Bier!“ und „Japaner!“ ruft, sind alle immer ganz vorne mit dabei. Dafür arbeiten will aber niemand. Ohne Bezahlung. Ich mache mal weiter mit 2. Zuhause haben wir Flüchtlinge. Alle und noch mehr waren auf der Bürgerversammlung um die Gesamtheit ihre dummen Fragen zu stellen, die sie hätten bei Google eingeben können um Antworten zu erhalten(außen vor lasse ich, dass die meisten Fragen natürlich ums Geld gingen). Jeder schreit nach Integration. Ich gebe zu: Wir integrieren zu 10 Personen 30 syrische Flüchtlinge. Von wohlgemerkt 300 Dorfbewohnern. 3% des Dorfes versuchen also zu integrieren. Ähnlich sieht die Relation oben bei den Studierenden aus.

Ich frage mich: Wo bleibt hier die Menschbeteiligung? Immer nehmen aber nichts investieren. Alles fordern und selbst nicht mit in die Arbeit einsteigen. Wie erwarten passive Personen, dass die Welt sich weiter dreht so wie sie es sich wünschen? Vielleicht beten sie ja zu Gott (sowas wie Götzen oder das Spaghettimonster) und hoffen, dass sie verschont von  Arbeit blieben und sich irgendjemand für sie einsetzt. Unverdient. Falls ihr den Leuten mal erklären wollt was Geben und Nehmen bedeutet:

Geben: Jemandem etwas reichen beziehungsweise in die Hände legen

Nehmen: Eine Sache greifen

Und jetzt mal was das Kompositum heißt: Zusammenarbeit zum beiderseitigen Vorteil

In diesem Sinne: Gebt und Nehmt, zu euer und unser aller Vorteil, eure Grusel

Vọr·teil
Substantiv [der]
  1. etwas, das jmdm. oder einer Sache zuträglich ist oder einen größeren Nutzen bringt; günstiger Umstand, positive Eigenschaft.

Das neue Salz in der Suppe

Liebe Leser,

Schonmal was von Wabi-Sabi gehört? Zugegeben, man könnte denken das wäre die kleine Schwester von Wasabi. Aber nein, Wabi Sabi ist etwas ganz anderes. Vielleicht das neue Salz in eurer Lebenssuppe. Denn was ich jetzt erzähle steht in völligem Kontrast zur westlichen Kultur des Perfektionismus. Wabi-Sabi ist nichts anderes als die Schönheit im Unperfekten zu schätzen. Es besteht, wie vielleicht vorausgeahnt, aus zwei Einzelkomponenten. Dem Wabi (侘), der natürlichen Unperfektion der Dinge in welcher sich eine bestimmte Schönheit und Eleganz zeigt. Sowie dem Sabi (寂), der Schönheit der Alterung der Dinge, wie Gebrauchsspuren oder offensichtliche Reparaturen. Dieses Wabi-Sabi ist also ein ästhetisches Konzept, welches aus Japan stammt und seit ungefähr 1000 Jahren die japanischen Künste beeinflusst hat. Da unten könnt ihr meine Teekanne bewundern. (Ihr habt euch möglicherweise schon gefragt was das Stück Keramik da soll.) Ich habe sie seit bestimmt vier Jahren in Gebrauch und letztes Jahr ist mir der Deckel herunter gefallen. Ein bisschen Ultra-Super-Sekundenkleber von Papa und der Griff sitzt wieder bombenfest. Am Anfang hat mich dieser offensichtliche Sprung wirklich gestört aber mittlerweile bin ich der Meinung, dass das meine Kanne jetzt einfach ausmacht. Sie ist gut so wie sie ist. Individuell, Einzigartig und Unperfekt.

Das ist auch Wabi-Sabi. DSC_0014 (3)

Ich wurde gefragt ob man dieses Konzept wohl auch in sein alltägliches Leben einbauen kann. Und ich denke direkt das Beispiel an meiner Teekanne kann zeigen, dass man diese (ja fast Lebens-) Philosophie in nahezu jeden Bereich des Alltags einbauen kann. Sich die Dinge einmal ganz genau ansehen. Wenn jemand der Meinung ist etwas sei schlechter weil es nicht perfekt ist, zweifelt ruhig an dieser Person. Denn: Wie kann man etwas Unperfektes als schlechter bewerten wenn doch der Mensch selber niemals Perfektion erreichen kann? Solche Menschen denken nicht über die Welt nach und man stellt schnell fest, dass man mit diesen jenigen Humanoiden einfach nichts anfangen kann. Lacht über sie, denn sie haben in genau dem Moment sich selbst als fehlerhaftes Objekt deklariert –  was sie sicher nicht sagen wollten. Streut mal ein ein bisschen von diesem Wabi-Sabi in eure Suppe und guckt, ob ihr nicht auch die Schönheit im Unperfekten finden könnt.